Neulich beim Durchblättern eines Lifestylekatalogs äußerte ich mein Befremden darüber, dass manche Leute sich Designer-Klobürsten für 20 Euro kaufen. Ich würde immer die billigste aus dem Baumarkt nehmen und sie dafür einmal im Jahr ersetzen. Meine Freundin kreischte ensetzt auf, und ich schaute sie erstaunt an: War das zu häufig? “Nein, einmal im Jahr! Wie ekelig!” Erstaunt fragte ich, wie oft sie denn ersetze. “Alle sechs Wochen!”
Jetzt war ich schockiert und äußerte die vorsichtige Vermutung, dass sechswöchiges Wechseln doch eher die Ausnahme und leicht neurotisch sei. Sie beharrte, nein, das müsse so sein, alles andere sei ekelhaft. Ob sie sich bewußt sei, wieviel Plastikmüll sie damit produziere? Ich erinnerte mich an eine ehemalige Nachbarin, die aus einem Dorf im bayerischen Wald stammte und mich damit schockierte, dass sie die Klobürste aus Sparsamkeit nicht ersetzte, sondern regelmäßig mit Gummihandschuhen auswusch. Dieselbe, die mich mal als Schlampe titulierte.
Woraufhin ich eine Umfrage in meinem Bekanntenkreis startete. Nun mag mein Bekanntenkreis nicht repräsentativ für den deutschen Standardhaushalt sein, erntete doch schon die Frage Erstaunen. Die Klobürstenwechselfrequenz in meinem Freundeskreis jedenfalls rangiert zwischen “wenn sie anfängt braun zu werden”, “alle ein bis drei Jahre”, “wenn die Borsten ausfallen” und “noch nie”. Ich höre schon das Aufkreischen meiner saubereren Freundin. Und wie haltet ihr es? Bin ich eine Schlampe oder ist meine Freundin eine neurotische Keimphobikerin?
